Wasserschloss Lenting

 Das Wasserschloss Lenting im Wandel –

 Vortrag von Stefan Weyergraf Streit im Pfarrheim Lenting.

Ein Bericht von Anton Müller

 

„Schon zu meiner Schulzeit hat mich das geheimnisvolle Wasserschloss in Lenting fasziniert“,    so begann Stefan Weyergraf Streit seinen Vortrag. Für den gebürtigen Lentinger Diplomtheologen und Künstler lag darin wohl auch der Grund, warum er sich später mit diesem Projekt und den zunächst oft widersprüchlichen Bilddokumenten zu diesem Schloss bau- und kunstgeschichtlich beschäftigte. Das Ergebnis seiner Untersuchungen, von ihm Baumetamorphose genannt, war Gegenstand seines Referats im Lentinger Pfarrheim, zu dem  mehr als 50 Interessierte gekommen waren.

Apian, Lenting

Schloss Lenting, Zeichnung von Philipp Apian 1554

Ausgehend von der Zeichnung des Schlosses Lenting von Philipp Apian in seinen Bayerischen Landtafeln 1541 -1561 analysiert der Referent Blickrichtung und Gebäudeteile der Schlossdarstellung mit umlaufendem Wassergraben. Apian stand beim Zeichnen wohl südlich des Schlosses in den heutigen Lentinger „Wiargärten“ (Weihergärten). Das Schloss lag östlich auf einer eigenen Insel, welche durch einen Wassergraben vom Inselareal der Wirtschaftsgebäude, wo das heutige Schloss steht, mit einem Steg verbunden war.

Dazu erschloss der Referent durch Vergleich mit Albrecht Dürers Zeichnungen, dass am Anfang der Baugeschichte wohl ein sogenanntes Weiherhaus stand, ein Turmhaus von einem künstlich angelegten Wassergraben umgeben. Es war wohl so, dass ein Adeliger nach 1400 die Burg am Lentinger Kapellenberg verließ und Sicherheit im geschützten Turmhaus am Wasser suchte.

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Ausschnitte aus Dürers „Maria mit der Meerkatze“, 1498

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nicht unbekannt dürfte für die meisten Zuhörer der Kupferstich von Michael Wening gewesen sein, der auf das Jahr 1701 datiert wird. Aus erhöhtem Standort, von Norden her betrachtet, entstand die berühmte Abbildung. Man kann davon ausgehen, dass Wening bei der Skizzierung seines Werkes auf der alten Römerstraße Kösching- Gaimersheim- Nassenfels (der heutigen Bahnhofstraße) stand.

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Verblüffend ist zunächst jedoch der Vergleich der Darstellungen von Apian und Wening, die zeitlich etwa 150 Jahre auseinander liegen. Man könnte bei oberflächlicher Betrachtung glauben, es handle sich um zwei verschiedenen Objekte. Durch intensiven Vergleich der Gebäudeteile, ihrer Höhenentwicklung und durch Einsatz von computerunterstützten Architekturmontagen gelang es Weyergraf, eine weitgehende Übereinstimmung beider Abbildungen herzustellen. Es handelt sich um dasselbe Schloss, so sein Fazit.

Im weiteren Verlauf seines Vortrags streifte der Redner dann die baugeschichtliche Entwicklung des Schlosses. Auch von Beschädigung und Verelendung war die Rede. Ein Käufer wie Wigulaeus Hundt von Sulzemoos schrieb 1571 nicht nur wegen des Kaufpreises von einem „abgeschliffen, baufällig Gut“.

Die Lichtenauer nahmen bauliche Veränderungen vor. Doch erst nach der Zerstörung im Österreichischen Erbfolgekrieg 1743/44 erfolgte um 1746 ein Neubau mit zwei barocken Schlossflügeln durch Freiherr von Müller von Gnadenegg.

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Montage des Neubaus von 1746, Weyergraf Streit

Dabei wird eine schlichte Fassade im barocken Stil hochgezogen. Allerdings wird dieser Barockbau nicht mehr am Ursprungsort des Grumbachschen ( Apians Zeichnung ) bzw. des Lichtenauschen Schlosses ( Wening-Stich) errichtet, die bis dahin auf der Ostseite des Inselareals lagen, sondern an die nordwestliche Ecke verlegt. Wie in Hepberg gab es noch einen zweiten Wohnflügel, der im rechten Winkel auf der Westseite des jetzigen Wasserschlossreliktes verlief und nach der Vergantung als Baumaterial veräußert wurde, vermutlich im 19. Jahrhundert.

Der heute noch erhaltene Barockbau ist im wesentlichen der Nordflügel von 1746. Der bauliche Charakter im derzeit ungenutzten Schloss lässt bis heute Spuren dieser Bauentwicklung erkennen. Fundamente und im Barockbau integrierte Mauern, ja sogar ein Giebel, oder das Durchfahrtstor sind erhalten. Es entbehrte nicht einer gewissen Würze, dass die heutige „Schlossherrin“ Andrea Hammer anwesend war und interessiert zuhörte.

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Heutiger Nordflügel mit Wassergraben, Foto: Weyergraf Streit

 

Viel von Gebäuden und Architektur war bisher die Rede. Es gab jedoch zahlreiche adelige Familien in der Liegenschaft, die teilweise erwähnt wurden. Das bedeutsamste Eigentümergeschlecht war das der Grumbach und deren wichtigste Protagonistin Argula von Grumbach. Der Referent Stefan Weyergraf, der auch als Künstler tätig ist, hat dazu zum Abschluss einen Entwurf für eine Argula-von-Grumbach-Erinnerungsstätte vorgestellt:  eine Diskussionsgruppe aus Theologen mit Argula, umsäumt von Flugblättern, die symbolisch für deren Denkschriften stehen und durch künstlerische Bearbeitung in Wort und Bild ihre Lebensgeschichte zeigen sollen.