Die katholischen Pfarrer von Lenting

Erstmals wird die katholische Pfarrei Lenting 1296 urkundlich erwähnt, als Graf Gebhard von Hirschberg das Kirchenpatronat von Lenting dem Eichstätter Domkapitel übertrug. Dieses Patronat war mit dem Zehent verbunden: ein Zehntel von Getreide und Haustieren mussten die Lentinger Bauern an die Kirche abliefern. Diese Abgaben wurden im Zehentstadel gesammelt, der bis bis zu seinem Abriss 1970 auf dem heutigen Kindergartengelände am Kapellenweg stand. Der Lentinger Pfarrer bekam davon 1/4 des Zehents als Gehalt und zum Kirchenerhalt, 3/4 aber gingen an das Bistum Eichstätt.

 Erste Lentinger Pfarrer

  • 1300    Als erster wird ein Pfarrer namens Gerochus erwähnt.
  • 1317    Heinrich der Horlanter   Er schenkte 1317 ein „Heckberger“ (Hepberger) Grundstück an den Abt des Klosters Weltenburg, wie man aus einer Weltenburger Klosterurkunde weiß (vgl. Donaukurier 6.7.2017, S.26) 
  • 1478    Heinrich Hopfenstatt,  Magister der Theologie an der Universität Ingolstadt.   In einer Regensburger Urkunde von 1496 (PfAH: Urk. 434 : Kapitelhaus von Regensburg) heißt es: „… Heinrich von Parsberg, Kanoniker von Regensburg, und das Kapitel von Regensburg teilen dem Bischof von Eichstätt … mit, dass Dr. Wolfgang Crener, Kaplan des Altares der Apostel Philipp und Jakob in der Regensburger Kirche… und Mag. Heinrich Hopfenstatt, Pfarrer der Nikolauskirche in Lenting in der Diözese Eichstätt, ihre Pfründen getauscht haben, und bitten um Zustimmung.“
  • 1496   Dr. Wolfgang Crener,    Theologieprofessor an der Universität Ingolstadt, Prediger der Waldaufkapelle in der Nikolauskirche von Hall in Tirol. Diese 1500 geweihte Marienkapelle mit einer großen Reliquiensammlung stiftete der Tiroler Ritter Florian Waldauf von Waldenstein, ein Berater von Kaiser Maximilian I.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist CrenerWappen3-960x1109.jpg

Crener-Wappen

„Iste liber optinet D Wolfgango Crener decretorum doctori“

„Dieses Buch gehört Dr.Wolfgang Crener, Doktor der Dekrete“


Die beiden Gelehrten, Pfarrer Hopfenstatt und Crener, wohnten nicht in Lenting, sondern in Ingolstadt: „Lentting eccles. paroch. S.NicolaiParochus non residet“ steht im Schematismus des Bistums Eichstätt von 1480.  Während ihrer Abwesenheit wurde die Seelsorge in der Pfarrei von Vikaren ausgeübt. In Lenting sind erwähnt unter Pfarrer Hopfenstatt die Vikare Johann Fruth, Johann Joych und Simon Serator; unter Pfarrer Crener: Leonhard Artinger und der gebürtige Lentinger Georg Sutor.   (Nach Urkundenforschungen von Stefan Weyergraf Streit)

  • 1515    Georg Schuster,  ein gebürtiger Lentinger. Sein Name taucht in der latinisierten Form „Calceator“ (Flickschuster) und „Sutor“ (Schuhmacher) auf. Er war bereits 1509 von Pfarrer Crener als Vikar in Lenting eingesetzt worden. 
  • 1546    Michael Bergmeister 
  • 1547    Johann Kleubel
  • 1557    Leonhard Bretzner 
  • 1557    Johann Keßler 
  • 1559 – 1561    Johann Marg   

                                                               

     „Gedenket eurer + +  Seelenhirten!   die schon seit 1300 eure Voreltern zum Guten Hirten führten“

so steht es auf der mittleren Tafel der Pfarrer- Gedenkstätte  im Kirchen-friedhof  (Foto). Auf zwei Gedenktafeln der Seiten-wände des kapellenartigen Baus sind alle katholischen Pfarrer verewigt, die in Lenting seit 1561 wirkten.

Dieser Beginn hängt damit zusammen, dass 1561 auch die Lentinger Kirchenbücher (Pfarrmatrikel) anfangen. Die Sterbefälle wurden ab 1561, die Trauungen ab 1562 und die Geburten ab 1653 aufgezeichnet. Auch die Amtszeiten aller Pfarrer wurden darin erfasst. Diese Kirchenbücher können heute im Diözesanarchiv Eichstätt eingesehen werden.


Die Lentinger Pfarrer seit 1561

  • 1561 – 1615    Georg Mayr, Dekan des Landkapitels Ingolstadt, geb. und gest. in Lenting, wahrscheinlich im Maxbauernhof aufgewachsen. Er war der Bruder der „Unteren Wirtin“ Margaretha Kramer, geb. Mayr. Sein Epitaph (Grabdenkmal) befindet sich auf der linken Seite des östlichen Kirchenausgangs der Pfarrkirche.  

Ausschnitt aus der ersten Gedenktafel

  • 1615 – 1618    Naglmayr Thomas  [- siehe Abbildung]
  • 1618 – 1621    Redtler Kaspar
  • 1622 – 1634    Bair Jakob, er starb im September 1634 wie viele andere Lentinger an der Pest.
  • 1634 – 1636    Jhan Sixtus,   Pfarrer in  Wettstetten, versah die Pfarrei Lenting als Provisor.
  • 1637 – 1641    Rottmayer Michael,  er war ein prominenter Bartholomäer (Weltpriestervereinigung in Ingolstadt), später Pfarrer in Erding und Linz
  • 1641 – 1647    Arnold Michael
  • 1649 – 1652    Durner Richard   [- ENDE der Abbildung]

  • 1652 – 1659    Johann Lauermayr
  • 1659 – 1664    Thomas Westermayr,  Fertigstellung des Neubaus der Lentinger Kirche 1661
  • 1664 – 1677    Ambrosius Saecherle 
  • 1677 – 1705    Franz Mayr,  er wurde 1705 von österreichischen Husaren ausgeplündert und misshandelt (Spanischer Erbfolgekrieg)
  • 1705 – 1706    Johann Georg Strommer 
  • 1706 – 1707    Johann Georg Kiefel 
  • 1707 – 1710    Johann Kaspar Lenz 
  • 1711 – 1718    Ludwig Jakob Höfler 
  • 1719 – 1743    Mathias Sammüller, Barockisierung der Lentinger Kirche (Stuck und Fresken)
  • 1743 – 1766    Willibald Schöpfl,  schrieb eine Häuserchronik von Lenting mit allen Einwohnern für die Jahre 1744 bis 1765. Hier im Bild der Beginn der Hauschronik „unteres würthshaus. Hausnumer 65“: Zuerst werden die Eheleute aufgeführt, dann die „liberi“ =Kinder (jeweils mit Geburtsdatum N.) und am Schluss „Servus“= der Knecht

  • 1766 – 1791    Joseph Anton Färber,  sein Epitaph befindet sich am südlichen Stützpfeiler der Empore in der Pfarrkirche
  • 1791 – 1793    Stephan Hollweck
  • 1793 – 1798    Cajetan Spreng 
  • 1798 – 1812    Nikolaus Zeller , geb. 1750 als Krausbauernsohn in Lenting, gest. 1812,  schrieb die Fortsetzung der Lentinger Häuserchronik für 1799 bis 1812 (einsehbar im Lesesaal des Diözesanarchivs Eichstätt)
  • 1812 – 1818    Joseph Baumeister
  • 1819 – 1826    Joseph Barth 
  • 1827 – 1836    Sebastian Rödig 
  • 1837 – 1872    Benedikt Kling , ab 1841 Dekan des neu organisierten Kapitels Ingolstadt, erhielt 1867 den Titel eines „Bischöflichen Geistlichen Rates“
  • 1872 – 1879    Franz Xaver Gratzer
  • 1880 – 1884    Joseph Liepold , Epitaph in der südöstlichen Friedhofsmauer
  • 1885 – 1892    Andreas Maget 
  • 1892 – 1893    Johann Meier 
  • 1893 – 1902    Franz Ostermann 
  • 1902 – 1912    Johann Baptist Bauer , baute 1904 das heutige Pfarrhaus, 1912 erster bisher bekannter  Ehrenbürger von Lenting (laut Protokollbücher im Lentinger Gemeindearchiv)
  • 1912 – 1925    Joseph Hartmann

Pfarrer Guttenberger (Mantel) und die Arbeiter beim Kirchenumbau 1926

  •  1925 – 1945    Joseph Guttenberger,

ließ 1926 – 1927  Kirche und Friedhof erweitern, 1933 Ehrenbürger von Lenting,  starb 1945.

Die Straße bei der Kirche heißt nach ihm „Guttenberger-straße“

 

  • 1945 – 1954      Anton Brems , Ehrenbürger, Bruder von Bischof Alois Brems.
  • 1954 – 1971    Peter Möges , Ehrenbürger
  • 1971 – 1986    Adalbert Regner , Dekan, Ehrenbürger, Kindergarten St. Nikolaus, Neubau der Sakristei, Jugendheim „Teehaferl“
  • 1986 – 1990    Rudolf Meyer
  • 1990 – 2004    Georg Köbl , Dekan, Ehrenbürger, gründete 2. Kindergarten St. Josef, heutiges Pfarrheim erbaut
  • ab 2004           Josef Heigl

Zusammenstellung: L. Händl, W. Baumgärtner, St. Weyergraf Streit

Literatur: Franz Xaver Buchner, Das Bistum Eichstätt, Eichstätt 1938,  Erwin Braun, Lenting. Eine Ortsgeschichte in der didaktischen Analyse, Eichstätt 1977,   www.regesta-imperii.de/regesten/