Lenting 1701

Lenting in der kurbayrischen

Landbeschreibung 1701

 

Michael Wening, Hofkupferstecher in München, erhielt 1696 von Kurfürst Max Emanuel den Auftrag zur Darstellung aller Orte im Kurfürstentum Bayern. Wening bereiste in den folgenden Jahren Ober- und Niederbayern und skizzierte sehr detailgenau Ortschaften, Schlösser, Klöster und Kirchen. In etwa 850 verschieden großen Kupferstichen vermittelt uns Wening eine Vorstellung vom barocken Bayern um 1700. Nicht weniger interessant sind die Beschreibungen zu jedem Objekt, die sein Mitarbeiter, der gelehrte Jesuit Ferdinand Schönwetter verfasste.

Im November 1701 war der erste Band der Historico-topographica descriptio Bavariae  (Chur-Bayrische Land-Beschreibung)  über das Rentamt München fertiggestellt. Darin ist unter dem Kapitel „Gericht Vohburg“ auch das damalige Schloss Lenting abgebildet. Und Schönwetter beschreibt den Zustand von Schloss und Hofmark Lenting einschließlich Hepberg.

Das Stadtarchiv Ingolstadt besitzt unter der Signatur Ch 1659 eine vollständige Ausgabe dieses Bandes, aus dem diese Abbildung und der dazugehörige Text entnommen sind.

 

wening1701

„Lendting.

Schloß und Hofmarch in Obern Bayrn / Renntambt München / Bistumb Regenspurg / Gericht Vohburg / ligt ein Stundt von Ingolstatt an einem Hügl in der Tieffe / unnd gränzet an das Eychstätter Bistumb.  Georg Ellenbrunner hat es Anno 1418 solcher Gestalt genossen (genutzt) / nemblich das Schloß / Sedl- und Zollhof sambt siben Sölden / unnd dero Zugehör.  Anjetzo wird es von den Clericis Saecularibus in commune viventibus (Bartholomäerinstitut) zu ihrem Seminario nacher Ingolstatt genossen / als welche solches Guet vor etlich Jahren Herrn Joachim Freyherrn von Liechtenau / Obersten Forstmaister zu Amberg in der Pfalz abgekaufft / unnd an sich gebracht;  und weil es sehr baufällig ware / vor kurzer Zeit widerumb reparirt haben. Warbey sonst aber nichts verhanden / als was neben etlichen Sölden der Nutz-niessende Feldbau außwürffet. Das Gottshauß verehret den H. Nicolaum als Schutz-Patron.

Mit Höpperg hat es gleiche Maynung / ausser daß kein Schloß darbey. Jedoch ist ein Gotteshauß allda zu St. Oßwald genannt / und nach Kösching mit dem Kirchen Einsatz gehörig. Ligt alles auff einer Höhe / darzu wird neben etlich wenig halben Bauren ein zimbliche Schäfferey sambt Holtzwachs und Feldbau genossen.“

Einige Erläuterungen zu dieser Ortsbeschreibung:

Das „Rentambt“ München war die Mittelbehörde zwischen der kurfürstlichen Regierung und dem Pfleggericht („Gericht Vohburg“).  Die falsche Zuordnung Lentings zum Bistum Regensburg ist ein Irrtum des Autors, vermutlich deswegen, weil Hepberg damals noch zur Pfarrei Kösching und damit zum Bistum Regensburg gehörte. Lenting war schon immer im Bistum Eichstätt, nachweislich seit der Hirschberger Schenkungsurkunde von 1296.

Zwei für Lenting wichtige Hofmarksherren werden angesprochen: 1. Georg Ellenbrunner als  Schlossherr 1418, das ist die früheste dokumentierte Jahreszahl für das Wasserschloss Lenting, das wohl um 1400 von den Ellenbrunnern errichtet wurde. Zum Hofmarksbesitz gehörten zwei Bauernhöfe und sieben „Sölden“, das sind Kleinbauern  — 2. Joachim von Lichtenau, der das Schloss 1677 umbaute und es 1692 („vor etlich Jahren“) an das Bartholomäerinstitut verkaufte. Diese Weltpriestervereinigung in Ingolstadt hat hier in Lenting ein Emeritenhaus für ihre dienstunfähig gewordenen Priester eingerichtet, doch bereits 1707 gehörte das Lentinger Schloss wieder den Lichtenauern. Mit „Gottshauß“ ist die Lentinger Pfarrkirche St.Nikolaus gemeint.

Zusammen mit Hepberg („Höpperg“) hatte Lenting schon seit etwa 1440 eine gemeinsame Hofmarksherrschaft („gleiche Maynung“). Das Hepberger Schloss gab es 1701 noch nicht, denn es wurde erst 1728 von den Lichtenauern erbaut („kein Schloß darbey“). Beim Hepberger Hofmarksbesitz wird besonders die große Schäferei und der reiche Waldbesitz betont.

W.Baumgärtner