Lenting 1416

Lenting im Herzogsurbar von 1416

Nach seinem Regierungsantritt 1415  ließ der Ingolstädter Herzog Ludwig der Gebartete mehrere Urbarien  (Besitzverzeichnisse) erstellen, als eine Art Bestandsaufnahme seines Herzogtums. Das Stadtarchiv Ingolstadt besitzt das Urbar des Herzogs aus dem Jahr 1416 über die Einnahmen aus den Nutzungsrechten am Köschinger Forst, der ein Wittelsbacher Besitz war. Darin werden alle Dörfer rings um den Köschinger Forst mit ihren nutzungsberechtigten Höfen und deren Abgaben für das Holzrecht aufgeführt, auch Lenting.

Für die Ortsgeschichte Lentings ist diese Quelle deshalb so wichtig, weil man hier wohl das älteste Häuserverzeichnis von Lenting vorfindet. Die Nennung der Grundherrschaft für jeden einzelnen Hof zeigt uns auch konkret die Herrschaftsaufteilung im spätmittelalterlichen Lenting, die üblicherweise nur mit dem abstrakten Begriff  „Offene Hofmark“ umschrieben wird.

Die ersten beiden Abschnitte der Orginalurkunde, Foto: Baumgärtner

Originaltext, 1. und 2. Abschnitt:

                          „Lenting

It  Anderl Pfering paut II gut und Hainz Vogl paut ain gut, sind alle drei des Elenprunners, haben III verrt in den vorst, gebent für yede vart der herschaft järlich XX d, XX ayr, II käs und chain hennen.

Item Chunzl Vogl paut II gut, gehört ains gen Voburg auf den casten, das ander dem Widershalls, dem priester zu Ingolstat und gehört zu seiner mess, hat II verrt in den vorst, davon gibt er der herschaft järlich XL d, XL ayr, IIII käs und chain hennen…“ 

( paut = bebaut, bewirtschaftet, vart = Fahrt,  Item = ebenso, ferner,  d heißt denarius = Pfennig, ayr = Eier)

 

Übertragung des Herzogsurbars in heutiges Deutsch: 

                       Lenting:

Anderl Pfering bebaut 2 Güter und Hainz Vogl  bebaut ein Gut, sind alle drei des Elenprunners, haben 3 Fahrten in den Forst, geben für jede Fahrt der Herrschaft jährlich 20 Pfennige, 20 Eier und 2 Käse und keine Henne.

Ferner Chuenzl Vogl  bebaut 2 Güter, gehört eines nach Vohburg auf den Kasten, das andere dem Widershalls, Priester zu Ingolstadt und gehört zu seiner Messe, hat 2 Fahrten in den Forst, davon gibt er der Herrschaft jährlich 40 Pfennige, 40 Eier, 4 Käse und keine Henne.

Ebenso Hainz Dörndorffer bebaut 1 Gut, gehört auf den Kasten zu Vohburg, hat eine Fahrt in den Forst und gibt davon der Herrschaft jährlich 20 Pfennige, 20 Eier und 2 Käse.

Ferner Mickl bebaut 2 Güter, gehört eines nach Ilmmünster und das andere nach Arnsberg, hat 2 Fahrten in den Forst, gibt jährlich für jede Fahrt 20 Pfennige, 20 Eier und 2 Käse.

Weiter der alt Slaetl bebaut ein Gut, ist dem Wilhalm den Hofsteter, hat eine Fahrt in den Forst…    (jeweils Wiederholung der obigen Formulierungen für die Abgaben)

Ferner der jung Slaetl bewirtschaftet 2 Güter, die auf den Kasten zu Voburg gehören, hat 2 Fahrten…

Ferner der Widmann auf dem Bach bebaut ein Gut, gehört den Chorherrn von Eichstätt, hat eine Fahrt…

Weiterhin Hainz Dungsdorffer bebaut ein Gut, gehört den Chorherrn von Eichstätt, hat eine Fahrt in den Forst, gibt jährlich der Herrschaft 12 Pfennige und nichts mehr.

Weiter Chuenzl Dörndorffer bebaut ein Gut,  gehört nach Rebdorf, hat eine Fahrt…

Ferner hat der Woheraus von Eichstätt einen Hof daselbst, bebaut der Marquart, hat eine Fahrt…

Ebenfalls Marquart bebaut ein Gut, das in das Spital zu Ingolstadt gehört, hat eine Fahrt…

Ferner der Pfarrer bebaut ein Gut, ist sein eigen, hat eine Fahrt…

Ferner Hainz Grümel bebaut 2 Güter, die auf den Kasten zu Vohburg gehören, hat 2 Fahrten in den Forst, gibt jährlich von jeder Fahrt der Herrschaft 20 Pfennige, 20 Eier und 2 Käse.

Ebenso die Mühle daselbst hat eine Fahrt in den Forst und gehört gen Vohburg auf den Kasten, gibt jährlich der Herrschaft 12 Pfennige und nichts mehr.

Summe: 20 Fahrten, an Geld 1 lib (Pfund) 24 d (Pfennige), 360 Eier, 36 Käse.                     (1Pfund = 360 Pfennige)

Auswertung:

Insgesamt sind im Text 20 Höfe von Lenting genannt, deren Betreiber jeweils zu einer Holzfahrt in den Köschinger Forst  berechtigt waren. Alle bezahlen pro Fahrt 20 Pfennig, 20 Eier und 2 Käse, nur der Dungsdorffer-Hof und die Mühle zahlen 12 Pfennig ohne Naturalien. Das ergibt als Einnahmen für den Herzog: 1 Pfund 24 Pfennige = 384 Pfennige, 360 Eier, 36 Käse an Geld- und Naturalleistungen.

Über die Namen der abhängigen Bauern und ihre Grundherren erfahren wir in diesem Urbar Folgendes:

                              20 Anwesen und 11 Grundherren    

Namen der Bauern Grundherrschaft
Anderl Pfering Ellenbrunner
Anderl Pfering Ellenbrunner
Hainz Vogl Ellenbrunner
Chunzl Vogl Kasten Vohburg
Chunzl Vogl Widerhalls, Priester
Hainz Dörndorffer Kasten Vohburg
Mickl Kloster Ilmmünster
Mickl Arnsberg (Burg?)
alt Slätl Wilhelm der Hofstetter
jung Slätl Kasten Vohburg
jung Slätl Kasten Vohburg
Widemann auf dem pach Chorherrn von Eichstätt
Haintz Dungsdorffer Chorherrn von Eichstätt
Chünzl Dörndorffer Kloster Rebdorf
Marquart Woheraus von Eichstätt
Marquart Spital Ingolstadt
Pfarrer Eigengut
Hainz Grümel Kasten Vohburg
Hainz Grümel Kasten Vohburg
Die Mühle Kasten Vohburg

 

Bei den Grundherren fällt zunächst auf, dass den Ellenbrunnern, die seit 1378 die Hofmark von Lenting besaßen, nur drei von den 20 Höfen gehörten. Die Bedeutung der Hofmarksadligen als Grundherren war also in Lenting nicht so groß, wie man gemeinhin annimmt. Auch 1752 beispielsweise gehörten nur sieben von insgesamt 54 Lentinger Anwesen den Hofmarksherren. Allerdings waren diese Adligen mit ihren Hofmarksrichtern für die niedere Gerichtsbarkeit und Polizei im Ort zuständig, ihre Hofmarkschreiber erledigten zudem alle Rechtsgeschäfte im Dorf.

Die Grundherrschaft von sieben Anwesen liegt beim „Kasten Vohburg“, d.h. dem herzoglichen Kastenamt Vohburg, das die Eigengüter des Landesherrn und deren Einkünfte verwaltete. Der Wittelsbacher Herzog stand also bei den Grundherren in Lenting  an erster Stelle. Das herzogliche Landgericht Vohburg hatte daneben ja auch die Hochgerichtsbarkeit (bei Verbrechen) über die Lentinger.

An zweiter Stelle kommt mit sechs Grundherren das Hochstift Eichstätt, das sich seit 1305 aus dem Erbe und den vorherigen Herrschaftsrechten der Grafen von Hirschberg entwickelt hatte. Wir finden in der Liste drei Grundherren aus Eichstätt, je einen aus Arnsberg und Hofstetten und das Kloster Rebdorf .

Unter den restlichen drei Grundherrschaften sind zwei Institutionen aus Ingolstadt vertreten und schließlich das Kloster Ilmmünster. Der Pfarrhof von Lenting war ebenfalls ein Bauernhof, aber im Eigenbesitz der Kirche und daher keinem Grundherrn untertan.

Historisch interessant an der Liste ist auch, dass die Namen der Bauern von 1416  z. T. noch einteilig waren; erst ab etwa 1500 wurden immer zweiteilige Namen benutzt, also Vorname und Familienname, wie wir es seitdem gewohnt sind. Übrigens erinnern auch die Lentinger Straßennamen Hirschbergstraße und Ellenbrunnerstraße an diese Zeiten unserer Ortsgeschichte im Mittelalter.

 

Literatur:

S.Hofmann, Die Fahrt in den Forst. Zur Geschichte der Dörfer um den Köschinger Forst, In: Sammelblatt des Historischen Vereins Ingolstadt, Bd.98/1989, S.65ff.

Stadtarchiv Ingolstadt,  Urk. B5, Herzogsurbar 1416

Walter Baumgärtner