Haus- und Hofnamen

Die Lentinger Haus- und Hofnamen

Hausnamen waren früher im Dorfleben das alltägliche Verständigungsmittel zur Bezeichnung eines Hauses oder Bauernhofs und seiner Bewohner. Sie entstanden meist aus den Vornamen, Familiennamen oder Berufen eines Hausbesitzers, manchmal auch aus der Lage des Hofes.

Erst ab 1808 wurden in Bayern erstmals Hausnummern für jedes Anwesen vergeben. Trotzdem benutzten die Dorfbewohner weiterhin die gewohnten Hausnamen zur einfachen Orientierung im Dorf. Mit der Einführung von Straßennamen – in Lenting 1957 – und mit der zunehmenden Einwohnerzahl verschwand diese Gewohnheit in den letzten Jahrzehnten allmählich aus dem Dorfleben.

Ähnlich wie in anderen Dörfern, z.B. in Böhmfeld 2016 oder in Buxheim 2017, hat nun der Geschichtskreis Lenting, insbesondere Rul Kipfelsberger (siehe Foto), die Anbringung von Tafeln mit den alten Haus- und Hofnamen an Lentinger Häusern organisiert, um an diese dörfliche Tradition zu erinnern.

Nach Straßen eingeteilt, versucht die folgende Liste die Entstehung der alten Haus- und Hofnamen zu erklären. Es lassen sich allerdings nicht mehr alle Namen eindeutig klären. Bei manchen Anwesen gibt es aufgrund des Besitzerwechsels auch zwei Hausnamen.  —  Bitte  Ergänzungen und Hinweise zu dieser Liste an unsere Mailadresse kontakt@gkr-lenting.de schreiben.

1. Hausnamen der Hofmark

Hofmark 1 – „Hofmark“   1905 kaufte der Ingolstädter Brauereibesitzer Josef Ponschab den Haberbauernhof und gründete dort das „Gasthaus zur Hofmark“. 1979 erwarb es Herrnbräu und baute den „Brauereigasthof Hofmark“ neu auf.

Hofmark 4 – „Beim Löffler“   1938 kaufte Lorenz Löffler das Haus.

Hofmark 5 – Appel“  „Beim Kiermeier“ 1899 erwarb Theres Appel das Anwesen. Ihre Tochter Maria heiratete 1934 Xaver Kiermeier. So kam es zu den beiden Hofnamen.

Hofmark 7 – Beim Geisler“   1905 kauften Stephan und Theres Geisler das Anwesen

Hofmark 8 –  Hofmarksbäck“   Fast 200 Jahre lang, von 1705 bis um 1890, waren in diesem Haus gegenüber dem Schloss Bäcker tätig. Das Haus gehörte früher auch den Hofmarksherren.

Hofmark 9 „Beim Sedlbauer“   Sedlhof nannte man früher einen herrschaftlichen Bauernhof. Dieser Sedlhof gehörte also den Hofmarksadligen im Lentinger Wasserschloss gegenüber.

Hofmark 11Beim Schneidermann“   „Strupfersteg“   1752 heiratete der Schneider Blasius Puk ein, auch sein Sohn war Schneider. Heute wohnt hier die Familie Strupf.

Hofmark 13 – „Beim Halbritter“   1908 erwarben Johann und Therese Halbritter das Haus.

Hofmark 14 – Kellamo  Auf dem Grundstück befand sich der ehemalige Weinkeller des Schlosses.

2. Hausnamen in der Alten Landstraße

 Alte Landstraße 1 – „Schmiedbauer“   

Alte Landstraße 3 – „Beim Schmied“   1612 ist der Schmied Hans Sauerwein auf dem 1/8-Hof, das Schmiedehandwerk wurde auf dem Hof bis Anfang der 1940er Jahre betrieben.

Alte Landstraße 5 – Geslmaurer   1835 übernahm der Maurer Friedrich Beringer das Gut.

Alte Landstraße 6 – Beim Merkl Schmied  1899 kaufte der Schmied Mathias Merkl das Anwesen und baute 1914 ein neues Wohnhaus mit Schmiedewerkstätte.

Alte Landstraße 7 – Reischl Bäck  1920 übernahm Bäckermeister Andreas Reischl das Haus. Er betrieb eine Bäckerei, baute 1937 einen Laden und verkaufte fortan auch Lebensmittel.

Alte Landstraße 8 – Beim Schuller

Alte Landstraße 10 – Schneiderfranzl  1816 erwarb der Schneidermeister Franz Bayer das Gütl.

Alte Landstraße 12 – Bredlweber“   Ob hier ein gelernter Weber lebte, ist nicht bekannt. 1727 übernahm der Zimmermann Niklas Pfaffl das 1/16-Gütl, das erklärt den 1. Teil des Namens Bredl.

Alte Landstraße 14 – Beim Reisweber  (Ab 1918 Bahnhofstraße 2)  1783 kauft der gelernte Weber Simon Mayer das 1/8-Gut. 1918 tauscht sein Urenkel Martin Händl mit dem Hof in der Bahnhofstraße 2 und nahm den Hofnamen sozusagen mit.

Alte Landstraße 16 – Beim Metzger  1911 erwarb der gelernte Metzger Johann Utz den 1/8-Hof. Er  betrieb die Landwirtschaft und machte nebenbei Hausschlachtungen.

3. Hausnamen der Berggasse

Berggasse 1 – Beim Metzger / Schermbach  

Berggasse 2 – Zum Schmie-Sepp  1921 heiratet der Sohn vom Schmied Mathias Merkl, Josef (Sepp) Merkl, in das 1/16-Gütl ein.

Berggasse 3 – Beim Webermax1902 erwarb der Weber Markus (Max) Greis das 1/16-Gütl.

Berggasse 5 – „Beim Schäfer“ 1875 kaufen die Schäfers-Eheleute Josef und Theres Schmid den Hof.

Berggasse 16 – Beim Schäffler“ 1877 übernahm Johann Zinn das Haus. Wahrscheinlich war er ein Sohn von „Binderbartl“ Bartholomäus Zinn, dessen Hof das Schäfflerrecht hatte.

Berggasse 22 – Beim Guller“  

Berggasse 24 – Beim Tell“   Der Hausname kommt vom früheren Besitzer Theodor (Tell) Binder. Es ist auch das Geburtshaus vom „Tell-Franz“, dem Bürgermeister Franz Binder (Amtszeit 1956 – 1978).

4. Hausnamen der Hirschbergstraße

Hirschbergstraße 1 – „Beim Scharlbauer“

Hirschbergstraße 2 – Oberer Wirt“   Von 1654 bis 2010 gab es diese Dorfwirtschaft oberhalb vom Lukaswirt. Ab 1768 hieß sie im Dorf auch „Hartlwirt“ nach dem Wirt Leonhard (Hartl) Ortner und seit 1932 „Grabmeier“ nach dem Pächter Leonhard Grabmeier.

Hirschbergstraße 5 – Beim Melber“   Frühere Besitzer waren wohl Mehlhändler (Melber).

Hirschbergstraße 9 – Hollerbauer

Hirschbergstraße 11 – Beim Binderbartl“   1847 übernahm Bartholomäus (Bartl) Zinn das Gut mit dem Fassbinderrecht.

Hirschbergstraße 18 – Beim Dollerbauer“

5. Hausnamen der Pfarrgasse

Pfarrgasse 2 – Beim Bäckerbauer“   1649 hat der Bäcker Kaspar Kolb den Hof gekauft.

Pfarrgasse 5 – Beim Schusterbauer“

Pfarrgasse 7 – Beim Krausbauer“   Im 17. Jahrhundert waren Peter Kraus und danach sein Sohn Hans Kraus auf dem Hof. Obwohl seit 1745 die Zeller Hofbesitzer sind, blieb der alte Hofname.

Pfarrgasse 15 – Beim Marxbauer“   1684 übernahm Markus (Marx) Sohn den Bauernhof. Für den Vornamen Markus gab es im Volksmund die beiden Abkürzungen Max (s.o.) oder Marx.

6. Hausnamen in der Guttenbergerstraße

 Guttenbergerstraße 2 – Beim Unteren Wirt“   Der Name kommt von der Lage unterhalb des „Oberen Wirts“. Als 1905 Josef Lukas aus Stammham in die Wirtschaft einheiratete, sagte man „Lukaswirt“. Diese Dorfwirtschaft ist seit 2013 geschlossen.

Guttenbergerstraße 3 – „Beim Schmiedseesl“   1636 übernahm der Schmied Georg Hafner den Hof und im gleichen Jahr auch die „Schmiede“. Der Schmiedseesl ist also der Sedlhof für die Schmiede.

Guttenbergerstraße 4 – Kramergütl“  „Beim Mittermüller  1721 bis 1854 waren Krämer auf dem Hof, daher stammt der erste Hofname. 1891 kauften Alfons und Philomena Mittermüller das Gut und vererbten es 1920 an ihren Sohn Alois Mittermüller, den späteren Gemeindediener.

Guttenbergerstraße 6 – Beim Zieglbauer“ 

Guttenbergerstraße 8 – Beim Reiterbauer“   Der Großbauernhof gegenüber der Kirche hieß ursprünglich „Reuterbauer“, was sich dann im Volksmund zu Reiterbauer verändert hat.

Guttenbergerstraße 10 – „Wagnersimmer“  „Da Wongasimmer“

Guttenbergerstraße 14 – Beim Dengler  1756 heiratet Hans Dengler in das Hofgut ein.

Guttenbergerstraße 16 –  Beim Schuster-Sima“   1898 erbte der Schuster Sebastian Sterler das Gut, er wurde auch „Goglschuster“ genannt, weil sein Vater vom Goglbauer stammte.

Guttenbergerstraße 18 – Beim Wuni  1919 kauften Wunibald  und Kreszenz Hierl den Hof.

Guttenbergerstraße 19 – „Hennamo Rul“

Guttenbergerstraße 22 Beim Goglbauer“  Um 1750 lebte laut Häuserbuch des Eichstätter Bistumsarchivs ein Simon Gogl auf dem 1/8-Gut, daraus ist der Hofname entstanden.

Guttenbergerstraße 24 – Beim Hennamo 

Guttenbergerstraße 26 – Beim Schneider1843 übernahm der Schneider Mathias Schab den Hof.

7. Hausnamen in weiteren Straßen

Ingolstädter Straße 4 – Beim Lentinger Boda“   Hier wohnten schon die Friseure (früher: Bader) Schall und Grünewald. Seit drei Generationen hat die Familie Lenk das Friseurgeschäft.   

Ingolstädter Straße 5 – Beim Wogna“   Seit 1913 gab es hier die Wagnerei Bieringer, die heute eine Schlosserei ist.

Ingolstädter Straße 6 – Beim Valla“   1900 erwarb Valentin (Valla) Wittmann das Anwesen.

Ingolstädter Straße 7 – Beim Schloßwirt“   Der Untere Wirt Hilpoldsteiner kaufte um 1850 das ehemalige Hofmarkschloss. Seine Nachfolger, die Wirte Zirngibl, wohnten dann seit 1876 im Schloss, so entstand der Hofname „Schloßwirt“.

Nürnberger Straße 4 – Beim Hafner“   Hier wohnte der Hafner u. Fliesenleger Martin Binder.

Am Kalkbrenner 6 – Graser“   1860 betrieb Josef Graser hier einen Kalkofen. Der letzte Kalkbrenner war um 1920 Andreas Binder.

Lentinger Mühle 1 – Lentinger Mühle“   Dies war seit etwa 1400 die Dorfmühle von Lenting bis zur Einstellung des Mühlenbetriebs 1936.

Lindenhof 1 – Lindenhof“   1965 baute Martin Mirbeth diesen Aussiedlerhof bei den Linden am Mailinger Weg. Vorher besaß er den Dollerbauer-Hof.

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Zusammenstellung: Walter Baumgärtner mit Hilfe des Geschichtskreises Lenting, 2018

Quellen:

Hans Greis: Lenting vor Gestern. Eine Lentinger Nachlese, 1999.

Markus Bogner: Haus- und Hofchronik von Lenting. Aus den Briefprotokollen, Steuer- und Katasterbüchern von 1612 – 1960, Manuskript o.J.

Anton Rigler: Alte Lentinger Hausnummern, aufgeschrieben 1964

Paul Meier: Handschriftliche Aufzeichnungen, 1972

Rupert Kipfelsberger: Mündliche Befragungen der heutigen Haus- und Hofinhaber, 2018