Evangelische Kirche Lenting

Evangelische Gemeindezentrum Lenting 1966 – 2017

Das Evangelische Gemeindezentrum mit Kirchenraum und freistehendem Glockenturm wurde im Dezember 1966 Am Schanzl in Lenting eingeweiht und Anfang September 2017 entwidmet d.h. geschlossen. Es gehörte zur Evangelischen Kirchengemeinde St. Paulus Ingolstadt.

Das  Evangelische Gemeindezentrum Lenting,             Foto: H.Greis

Der damalige Bürgermeister Franz Binder und der Gemeinderat Lenting haben 1965/66 den Kirchenbau für die etwa 250 evangelischen Lentinger großzügig unterstützt. Um dieselbe Zeit entstanden in der Nachbarschaft die Wohnblöcke der Auto-Union-Siedlung. Die Behelfskirche war ursprünglich nur als Provisorium für höchstens 20 Jahre gedacht, blieb aber 51 Jahre lang unverändert das evangelische Gemeindehaus für Lentinger und Hepberger.

Nach mehreren Jahren der Planung wurde im Mai 2018 die neue gemeinsame Dietrich-Bonhoeffer-Kirche mit Gemeindezentrum  für die Protestanten von Lenting, Hepberg und Kösching am Brunnhauptenweg in Kösching eingeweiht.

Evangelische Lentinger

Die protestantischen Ansätze der Reformationszeit wurden in Altbayern bis etwa 1800  unterdrückt, daher waren bis dahin viele altbayerische Dörfer rein katholisch Noch die Volkszählung des Königreichs Bayern 1871 nennt in Lenting und Hepberg 0 evangelische Einwohner, in Etting waren es 3, in Wettstetten 2 und in Kösching 5. Erst 1903 gab es in Lenting die erste evangelische Familie, die von Wilhelm Ewald, Wallmeister:

Jahr

Evangelische Lentinger

1903 4 Familie Wilhelm u. Auguste Ewald, Wallmeister
1939 12
1950 69 Zuzug von Vertriebenen
1966 250 Evangelisches Gemeindezentrum Lenting, s.o.
1987 534 Volkszählung 1987
2017 670

Vor 1966 fanden die evangelischen Gottesdienste im alten Schulhaus Lenting statt, die evangelischen Schüler mussten zum Religionsunterricht nach Kösching fahren.  Die evangelische Diaspora Lenting gehörte ab 1955 zur Stadtpfarrei St. Lukas und seit 1965 zur neu gegründeten Stadtpfarrei St. Paulus Ingolstadt.

Wie die evangelische Minderheit anfangs im katholischen Dorf gesehen wurde, zeigt der folgende Buchauszug aus Mia Mays Lentinger Kindheitserinnerungen:

„Die Protestanten

Mit der Flut von Menschen aus allen Gebieten kommen auch welche an, die nicht katholisch sind.
Ich kenne keine Protestanten, aber ich weiß, sie gehen nicht in unsere Kirche, beten kein „Gegrüßt seist du Maria..“, haben kein Weihwasser und beichten nicht im Beichtstuhl.
Ihre Kinder gehen auch nicht in den Religionsunterricht, sondern halten sich dann im Hof auf. In meiner Klasse sind keine Protestantenkinder. Gott sei Dank, denn wie man so hört, darf man diesen Leuten und auch ihren Kindern  nicht über den Weg trauen.
Mama, Mutti und Tante haben keine Vorurteile, aber ich!
Schon das Wort „P r o t e s t a n t e n “ hört sich sehr gefährlich an!
Ich bin mit Mama und Tante unterwegs, als uns einige Leute entgegen kommen. Tante flüstert der Mama zu: „Das sind die Diepolds, das sind  Protestanten. Ich erschrecke sichtlich und greife nach Mamas Hand. Aber ich bin auch neugierig. Wie diese gefährlichen Leute wohl ausschauen? Da muss man doch was merken!
Schon sind die drei Diepolds in unserer Höhe und gehen vorbei. Es ist eine kleine, etwas rundliche Frau mit einem freundlichen Gesicht, ein älterer Mann mit langsamen Schritten und ein kleiner, schüchterner Bub, der vielleicht in Roberts Alter ist. Sie grüßen uns freundlich, sagen zwar nicht „Grüß Gott,“ sondern „Guten Tag.“
Das war es. Mama und Tante sagen: „Des san doch genau so Menschen wia mia (wie wir)! Meine Angst ist vorbei.“ 

Mia May: Aus, Äpfel, Amen!, Band 1, Mia, die Feder, Leipzig 2015, Seite 167 f.

Hinweise zu diesem Buch und zu weiterer Lenting-Literatur findet man auf dieser Homepage unter Verschiedenes – Publikationen.

                                                                                              W. Baumgärtner