Biografie Argulas

Biografie der Argula von Grumbach

Schaumünze mit dem Portrait Argulas

Schaumünze mit dem Portrait Argulas

Argula von Stauff wurde 1492 auf Burg Ehrenfels bei Beratzhausen geboren. Ihre Eltern waren Bernhardin I. Freiherr von Stauff  und Katharina, geborene von Törring zu Seefeld/Jettenbach.

1507 bis 1510 war Argula Hoffräulein bei Erzherzogin Kunigunde am Herzogshof in München. Dort wurde sie mit den Herzogskindern erzogen, ihr Lehrer war der Historiker Johannes Aventinus. So erhielt Argula eine außergewöhnlich gute Bildung.

1509 starben ihre Eltern innerhalb von fünf Tagen an der Pest. Der Onkel Hieronymus von Stauff kümmerte sich nun als Vormund um die Stauff-Kinder. 1510 heiratete Argula den fränkischen Ritter Friedrich von Grumbach, den Hofmarksherrn von Lenting. 1515 wurde Friedrich zum Pfleger (herzoglicher Verwalter) von Dietfurt und Altmannstein ernannt, daher zog die Familie nach Dietfurt (bis 1524).

Argulas Onkel, der herzogliche Hofmeister Hieronymus von Stauff, wurde 1516 in Ingolstadt nach einem fragwürdigen Prozess als angeblicher Hochverräter enthauptet. In den Jahren um 1520 wandelte sich Argula zur überzeugten Anhängerin der Reformation und nahm ab 1522 brieflichen Kontakt zu Reformatoren wie Osiander und Spalatin auf, ab 1524 auch zu Martin Luther.          1523 zwang die Universität Ingolstadt den Magister Arsacius Seehofer, 17 „ketzerische“ Artikel zu widerrufen, danach wurde er im Kloster Ettal eingesperrt.  Argula von Grumbach protestierte dagegen in einem Brief an die Universität Ingolstadt und forderte die Professoren zum Disput auf. Auch an Herzog Wilhelm von Bayern wandte sie sich und an den Rat der Stadt Ingolstadt, erhielt aber keine Antwort.

    Eine Kernstelle aus ihrer ersten Flugschrift von 1523 lautet:

„…Ach Gott, wie werdet Ihr bestehen mit Eurer Hohen Schule, dass Ihr so töricht und gewalttätig handelt wider das Wort Gottes und mit Gewalt zwingt, das heilige Evangelium in der Hand zu halten und dasselbige dazu zu verleugnen, wie Ihr denn mit Arsacius Seehofer getan habt und ihn mit Gefängnis und Drohung des Feuers dazu gezwungen habt, Christum und sein Wort zu verleugnen…   Hat Euch das Christus gelehrt oder seine Apostel, Propheten und Evangelisten?  Zeigt mir, wo es steht, Ihr hohen Meister, ich finde es an keinem Ort der Bibel, dass Christus noch seine Apostel oder Propheten jemanden eingekerkert, gebrannt noch gemordet haben oder das Land verboten…“  

Weil das mutige Eingreifen einer Frau in die öffentliche Diskussion damals unerhört war, wurden Ihre Briefe als Flugschriften gedruckt und erreichten breite Aufmerksamkeit und hohe Auflagen.

Argula-Standbild in Beratzhausen. Foto: G.Pfeilschifter

Argula-Standbild in Beratzhausen.
Foto: G.Pfeilschifter

In den folgenden Monaten verfasste Argula weitere Sendbriefe, meist an prominente Adelige. Insgesamt erschienen in den Jahren 1523 und 1524 acht Flugschriften von ihr. Sie setzte sich damit über das herzogliche Edikt von 1522 hinweg, welches das Eintreten für Luthers Ideen streng verboten hatte.  1524 verlor Friedrich durch Argulas Handeln sein Amt in Dietfurt, für ihn ein Ehrverlust und eine wirtschaftliche Einbuße. Die Familie zog sich nach Lenting und auf den Stammsitz Burggrumbach bei Würzburg zurück.

1529 starb Friedrich von Grumbach mit 47 Jahren in Lenting, wo noch heute ein Epitaph in der katholischen Pfarrkirche an ihn erinnert.

1530 besuchte Argula von Grumbach Martin Luther auf der Veste Coburg, wo er sich während des Augsburger Reichstages aufhielt. 1533 heiratete die 41-jährige Argula den Grafen Burian von Schlick aus Böhmen. Auch drei Geschwister Argulas waren mit Schlicks verheiratet, unter anderem in Schloss Köfering bei Regensburg. Der zweite Ehemann Burian starb schon nach zwei Jahren Ehe.

In den Jahren nach 1540 lebte Argula meist in Franken und verwaltete dort die Grumbachschen Güter, während sich ihr Sohn Gottfried um die bayerischen Güter der Familie kümmerte, also auch um Lenting. Als Autorin ist sie nicht mehr in Erscheinung getreten. 1539 verstarb Argulas Tochter Appollonia mit 17 Jahren in Lenting, das oben genannte Epitaph weist darauf hin. Im gleichen Jahr verlor sie auch ihren Sohn Georg, und 1543 wurde Sohn Hans-Georg erschlagen. Nur ihr jüngster Sohn Gottfried, 1529 – 1560 Hofmarksherr von Lenting, hat sie überlebt. Im Alter von 62 Jahren starb Argula von Grumbach 1554 in ihrem Schloss Zeilitzheim bei Volkach.

Quellen: Uwe Birnstein, Argula von Grumbach, Das Leben der bayerischen Reformatorin, Neufeld 2014.     Peter Matheson, Argula von Grumbach. Eine Biographie, Göttingen 2014

Autor: Walter Baumgärtner